Im folgende möchte ich zur Abwechslung auch mal wieder etwas zu meiner Familie und meinem Schulalltag hier schreiben, damit es nicht so rüber kommt, als wäre ich nur am Rumreisen
denn unter der Woche bin ich in der Tat auch am Arbeiten, sowohl in der Schule als auch daheim!^^
Ein typischer Dienstag in meinem Leben hier in Ecuador:
Pünktlich wie jeden morgen klingelt der Wecker um 5.50 Uhr und relativ ausgeschlafen, da ich hier ja immer schon gegen spätestens 21.00 Uhr ins Bett gehe, stehe ich auf. Auf dem Küchentisch steht inzwischen schon fertig zubereitet mein Frühstück, dass wie folgt aussieht: Ein Batido (Milchshake) oder frisch zubereiteter Saft, dazu eine Tasse Milch mit Kaba, ein gekochtes Ei und süße Brötchen oder Croissants. Das Ei und ein Brötchen kommen inzwischen immer schon gleich in meinen Rucksack, um dann in der ersten Pause gegessen zu werden. Keine fünf Minuten nachdem ich mich an den Tisch gesetzt habe, ist auch Schnuffel (mein Hund) neben mir am Boden und schaut mich mit seinen großen Augen an, in der Hoffnung auch etwas abzubekommen, was meistens auch klappt^^.
Während ich in aller Seelenruhe meinen Kaba schlürfe sitzen mir Jasmin und Andy, fein herausgeputzt in ihren Schuluniformen, gegenüber und schaufeln hektisch ihren Reis mit Bohnen (oder was es eben am Vorabend gab) in sich hinein, da sie wie immer spät dran sind. Schnell werden noch alle Schulsachen zusammen gepackt und die Hausaufgaben vorgelegt zum Unterschreiben, bevor sie um 6.20 Uhr bereits das Haus verlassen müssen. Etwas später kommen dann auch Dayana und Ivan aus ihren Zimmern und warten, dass Marina ihnen das Essen auf den Tisch stellt, welches dann genauso schnell in den Mund befördert wird^^.
Um 6.40 Uhr verlassen dann auch Dayana und ich das Haus und begeben uns auf den 15-minütigen Schulweg, auf dem meistens noch andere Schüler getroffen werden, die einen dann laut mit einem „Buenos días Profe“ begrüßen. Kommt ein Auto oder Motorrad vorbei, wird auch immer gehupt und die Hand gehoben als Begrüßung, egal ob man sich kennt oder nicht.
Pünktlich um kurz vor sieben sind wir dann an der Schule, wo auch gerade mein Rektor und Profe Sandra ankommen, und in der Küche schon die kostenlose Milch der Hacienda für die Schüler warm gemacht wird. Nachdem mir jemand mein Klassenzimmer aufgeschlossen hat (da ich leider noch keinen eigenen Schlüssel habe) wird erst einmal der Stundenplan heraus geholt und Unterricht vorbereitet. Für Dienstag steht also an: Informatik 7°, Informatik 1°, Englisch 2°, Englisch 6°, Informatik 3° und Englisch 5°.
Wenn nicht gerade Montag ist, an dem sich morgens immer alle zuerst auf dem Schulhof versammeln und die Nationalhymne singen, klingelt so gegen 7.15 Uhr die Schulglocke und alle begeben sich, falls sie schon fertig sind mit Milch trinken und „Bildungskekse“ essen, in ihre Klassenzimmer. Ich habe meistens die erste Stunden frei, um meinen Unterricht für den Tag vorzubereiten und Kopien für die Schüler zu machen, da nur ich jeweils ein Buch für Englisch und Informatik habe. Anhand von Stichpunkten und Ideen in meinem Block, welche ich am Abend zuvor gemacht habe, suche ich dann in den Büchern geeignetes Material oder erstelle gegebenenfalls selbst am Computer ein Arbeitsblatt für die Schüler. Meistens sieht das so aus, dass ich einfach alle Bücher durchstöbere, da man mit den Angaben, für welche Klasse das Buch bestimmt ist, nicht sehr viel anfangen kann. So arbeite ich z.B. selbst mit der vierten Klasse noch mit dem Informatikbuch der Ersten oder Zweiten, oder mit der Sechsten in Englisch mit dem Buch der Vierten.
Um 7.55 Uhr steht dann bereits meine erste Klasse für diesen Tag an: Informatik mit der Siebten. Fünf Minuten später erscheint wie immer noch kein einziger zum Unterricht und so mache ich mich auf die Suche nach meinen Schülern. Die ersten entdecke ich beim Fußball spielen und sobald sie merken, dass ich es auf sie abgesehen habe, kommen schon begeisterte Rufe wie „Yeah, Computación, Computación“
die nächsten hocken vor ihrem Klassenzimmer, da mal wieder, wie eigentlich immer, der Lehrer nicht erscheint, sondern sich erst zur zweiten Stunde oder später blicken lässt, und das obwohl er direkt im Dorf wohnt, wie die anderen Lehrer, und diese es doch meistens pünktlich zum Klingeln in die Schule schaffen. Wenn dann irgendwann mal alle zusammen getrommelt sind und in meinem Klassenzimmer sitzen, kann der Unterricht mit den noch verbleibenden 30 Minuten beginnen. Erst mal werden zur Sicherheit nochmal die Computerteile wiederholt, um auch sicherzustellen, dass die Tastatur nicht zum sehen, sondern zum Schreiben da ist, und die Lautsprecher zum Hören und nicht zum Einschalten des Computers^^ Danach können wir uns dann ein bisschen mit Ordner erstellen, umbenennen und löschen beschäftigen, da wir uns ja hier immerhin schon in der siebten Klasse befinden. Sogar Word öffnen und halbwegs richtig schreiben (mit nur einmal Leertaste drücken nach jeden Wort, Groß- und Kleinschreibung und Punktsetzung) klappt bereits. Und falls mal etwas nicht ganz klappt, oder wild irgendwelche Tasten gedrückt wurden, so dass danach das Programm spinnt, wird natürlich erst mal ganz laut und eindringlich „Profe, Profe, Profe“ gerufen und zwar entweder solange bis man laut zurück schreit er soll gefälligst warten, da man grad wo anders beschäftigt ist, oder eben schnell zu ihm gerannt kommt und ihm alle Aufmerksamkeit widmet. Kaum dort angekommen ruft es aber schon wieder aus der anderen Ecke „Profe, Profe, Profe, venga!!!! (Kommen Sie mal)“, nur um mir dann beispielsweise zu zeigen, dass er gerade einen Punkt nach dem Satz gesetzt hat?!
Die dreißig Minuten hinter mich gebracht, steht schon die nächste Computerklasse auf dem Plan, diesmal mit den Jüngsten (zehn 4-5 jährige). Nachdem ich in der ersten Stunde mit ihnen den Fehler gemacht hatte, bereits in den Computerraum zu gehen, waren wir danach nur noch im Klassenzimmer, da wildes rumgehaue auf der Tastatur und Mäuse, die auf den Boden geschmissen werden, sicher nicht sehr gut sind! Nun lernen wir eben erst einmal die verschiedenen Teile kennen und malen fleißig den Bildschirm aus, üben mit welchen Fingern man auf der Maus klickt und wie man sich im Computerraum benimmt. Nachdem die erste Klasse meine Problemklasse ist (einfach weil sie noch so jung sind und absolut null zuhören wollen, ständig nur umher rennen, sich schlagen, gegenseitig vollmalen und sich die Stifte klauen) ist nun zum Glück auch die Lehrerin mit dabei und greift ein, falls einfach nichts mehr geht. Gedroht wird dann damit, dass ich in Zukunft nicht mehr unterrichten werde und es am Ende der Klasse keinen Smiley-Sticker geben wird^^ Das erzielt dann auch tatsächlich Wirkung, aber meistens leider auch nur für die nächsten fünf Minuten…Am Ende der Klasse bin ich dann meistens so fertig, dass ich die kommende zwanzig-minütige Pause nötig hab, um wieder meine Stimme zu erholen und neue Kräfte zu sammeln
Mit meinem mitgebrachten Vesper setz ich mich dann erst mal in die Sonne, womit ich aber so ziemlich die einzige bin, da alle anderen Kindern Sonnen-scheu sind und lieber in den Schatten hocken. Das hält dann aber meisten doch nicht lange an, und keine Minute später bin ich umzingelt von den Kleinen, die mich dann mit allmöglichen Fragen bombardieren, z.B. warum ich blaue Augen habe, wie meine Eltern heißen, oder ob ich schon Kinder hätte (bei der Frage kommt dann immer die größte Verwunderung auf, wenn ich erzähle dass ich mit meinen 19 Jahren noch kein einziges Kind hätte xD). Danach werden noch meine blonden Haare bewundert und jeder fährt mindestens einmal durch, um auch mal „deutsche Haare“ angefasst zu haben
Gegen 9.35 Uhr, oder eben wenn ein Lehrer gerade dran denkt, klingelt wieder die Glocke, und die Kinder rennen in ihre Klassenzimmer. Für mich steht dann Englisch mit der Zweiten (neun 6-7 jährige) an.
Mit meinen Unterrichtsmaterialien beladen begebe ich mich in ihr Klassenzimmer, da ich auch hier den Fehler nicht mehr begehen werde und die Kleinen in mein Zimmer kommen lass (rennen nur rum, klettern in die Schränke um zu Schlafen, unter die Tische, hauen mir ab in den Computerraum, etc…)^^ Als erstes singen wir immer folgendes Lied auf englisch, was sie schon kannten: „Good morning teacher, good morning teacher, how are you? How are you? Very well thank you, very well thank you. How are you? How are you?” und zwar mit der Melodie von Bruder Jakob. Das klappt auch echt schon super, bis eben auf den Teil „very well thank you“, da erkennt man dann eher nur noch die Melodie, aber gut…:D Fragt man dann allerdings, was das nun auf spanisch bedeutet, wird aus der einen Ecke laut gerufen „GREEN“, während aus der anderen kommt „TWO“ xD…hauptsache jeder haut einfach mal ein englisches Wort raus, in der Hoffnung, dass das die Antwort auf meine Frage ist^^ Danach machen wir mit den Zahlen 1-5 weiter, nachdem die Farben rot, blau, grün und gelb inzwischen schon sehr gut sitzen. Die Aufgabe bestand eigentlich nur darin, auf einem Arbeitsblatt Früchte auszumalen und der Anzahl entsprechend der richtigen Nummer zuzuordnen (englisch war dafür ja noch nicht einmal nötig). Bei einigen klappte es auch super und die vier Bananen wurden auch in gelb und nicht rot angemalt und der Zahl 4 zugeordnet. Der kleine Otilino hingegen hatte aber bereits Schwierigkeiten eine fünf von einer drei zu unterscheiden und verzählte sich andauernd, so dass er eben die zwei lila angemalten Birnen einfach mal der drei zuteilte^^ während die ersten schon wieder fertig waren und ungeduldig „Profe, Profe“ riefen und als ich nicht reagierte, weiter machten mit „Señorita Melanie! Señorita Melanie! Venga! Venga! Señorita Melaniiiiie!“, waren andere immer noch bei den ersten Früchten und hatten auch schon nicht mehr die Konzentration und Lust weiter zu machen, sondern hefteten sich lieber an mich dran und sorgten dafür dass ich keinen Zentimeter mehr vorwärts komm. Irgendwie klappt es am Ende dann aber doch immer dass wir wenigstens halbwegs mit dem von mir geplanten Programm durchkommen und etwas bleibt dann sogar immer in den kleinen Köpfen hängen^^
Die zwei anstrengendsten Klassen (1. und 2.) für diesen Tag hinter mich gebracht, geht es normalerweise gleich ohne Pause weiter mit der Sechsten, wo auch meine Gastschwester Dayana drin ist. Hier sind es hingegen nur fünf Schüler und auch noch Anständige, sich nicht Schlagende und Wissbegierige, deswegen auch eine meiner Lieblingsklassen^^ Da Profe Diego aber an dem Tag krank war, durfte die ganze Klasse wieder nach Hause gehen und hatte gar keine Schule.
Nicht selten kommt es hier vor, dass ein Lehrer oder auch mehrere einen Tag fehlen, sei es weil sie krank sind, einen Tag früher ins Wochenende wollen oder etwas in Quito erledigen müssen und damit immer die ganze Stufe zu Hause bleiben kann. Für mich heißt das, dass ich einfach eine Freistunde hab, in der ich entweder Unterricht vorbereiten kann, mein Klassenzimmer auf Fordermann bringe, Blog-Einträge schreibe oder auch ins Internet gehen kann…vorausgesetzt es gibt natürlich welches an diesem Tag, was aber auch immer Glückssache ist.
Um 10.15 Uhr steht dann schon die zweite 20-minütige Pause an und oft ist die Sonne dann schon weg und es ist um einiges kälter, wenn auch noch Wind dazu kommt. Nicht immer sind die Pausen aber so friedlich, so dass es auch vor kommt, dass sich mal wieder zwei Kinder schlagen (einer davon ist eigentlich immer der gleiche) und ich dann eingreifen muss weil irgendwie kein anderer Lehrer auffindbar ist. Da sich mein Spanisch aber noch immer in Grenzen hält, beschränkt sich das Eingreifen auf die Kinder auseinander bringen und anschließend beiden einen bösen Blick zuzuwerfen, und natürlich ermahnend ihren Namen sagen, was aber eigentlich auch schon immer ausreicht^^
Um 11.15 Uhr geht es dann weiter mit der Dritten in Computación (Informatik). Im Vergleich zur 1. und 2. besteht hier ein riesen Unterschied, nicht nur was Disziplin angeht, sondern auch was sie schon können und verstehen. Zwar sind auch diese fünf teilweise sehr anstrengend und machen was sie wollen, so dass ich teilweise doch lauter werden muss, aber dann ist meistens auch wieder gut und es kann weiter gearbeitet werden. Für diesen Tag stand also an, wie man Word öffnet und schließt und anschließend sollte das ganze nur noch ins Heft geschrieben werden, damit sie es beim nächsten Mal einfach nachlesen können und ich nicht wieder alles erklären muss. Leichter gesagt als getan! Das Anschalten des Computers klappt schon ganz gut (naja, außer wenn es dann darum geht den Benutzter auszuwählen, da kommt dann immer die Frage: „Profe, sollen wir jetzt auf ‚Lehrer‘ oder ‚Schüler‘ klicken??“, „Naja, was seid ihr denn, Schüler oder Lehrer?“ darauf folgt immer Gegrinse und Gelache und zur Sicherheit nochmal die Frage, ob sie jetzt wirklich auf Schüler klicken sollen oder doch lieber auf Lehrer…und das geht so jedes Mal wenn sie den PC anmachen)
Danach erkläre ich einmal wie man zu Word kommt, mache es vor und schreibe es an die Tafel, bevor ich die Schüler ausprobieren lasse. Keine zwei Sekunden später schallt es dann aber schon wieder aus allen Mündern „Profe, Profe, venga! Soll ich jetzt wirklich DA drauf klicken?“ Und noch einmal fange ich an jedem zu erklären, wo er drauf klicken soll und verweise an die Tafel, wo doch eigentlich alles Schritt für Schritt, idiotensicher, steht. Die ersten bekommen es dann irgendwann tatsächlich hin, während eine andere es nicht einmal schafft auf das Start Symbol zu klicken. Mit viel Geduld fangen wir dann noch einmal von vorne an, diesmal zu zweit, ihre Hand auf der Maus und meine noch oben drauf, und arbeiten uns Schritt für Schritt durch. Eine halbe Ewigkeit später was es dann endlich auch bei ihr geschafft und uns blieben noch zehn Minuten übrig um vier winzig kleine Sätze ins Heft abzuschreiben; eigentlich genug Zeit – sollte man meinen. Nach fünf Minuten laufe ich einmal durch und stelle zufrieden fest, dass einer schon halb fertig ist, während andere aber noch nicht einmal das Datum kopiert haben, sondern vergnügt unter den Stühlen rumkrabbeln oder sich mit sonst was beschäftigen. Etwas lauter meine ich noch einmal sie sollen sich setzten und abschreiben was an der Tafel steht, da nur noch fünf Minuten bis Unterrichtsschluss übrig bleiben. Auf einmal starren mich alle fünf mit weit aufgerissenen Augen an und fragen vollkommen überfordert: „Wie?! DAS alles sollen wir abschreiben?!“ Zur Sicherheit schaue ich noch mal an die Tafel, wo aber immer noch nur die Selben vier kurzen Sätze stehen und meine nur: „JA! DAS alles!! Fünf Minuten noch.“ Total entgeistert, als hätte ich gerade eine unlösbare Aufgabe gestellt widmen sie sich wieder ihrem Heft und fangen endlich an Buchstabe für Buchstabe zu kopieren. Weitere fünf Minuten später, pünktlich zu Unterrichtsschluss kommen dann tatsächlich zwei auf mich zu, die es geschafft haben die vier Sätze (bestehen aus 20 Wörtern) abzuschreiben – zwar mit mindestens 5 Fehlern, aber das war mir dann in dem Moment auch nicht mehr so wichtig. Die anderen beiden waren auch fast fertig, nur mein Problemkind hatte es mal wieder geschafft, so ziemlich jedes Wort (naja, sie kam nur bis zum ersten Satz) irgendwie falsch zu schreiben und zusätzlich auch noch in das Englisch-Heft, was mir blöderweise erst im Nachhinein auffiel (und um Gotteswillen, ich wollte sie nicht auffordern nochmal alles weg zu radieren und ein zweites Mal schreiben zu lassen, bei dem Schreibtempo!) Etwas verspätet konnte ich dann auch endlich diese Klasse davon schicken und für den Tag abhaken.
11.55 Uhr: endlich stand die letzte Stunde für den Tag an – Englisch mit der Fünften. Bei sechs Schülern, im Alter von 9-10 Jahren, sollte man eigentlich meinen, dass es sich ganz gut unterrichten ließe…naja, nicht ganz!^^ Meistens fängt der Unterricht damit an, dass Albaro (das Problemkind schlecht hin) mal wieder irgend ein Mädchen draußen schlägt, woraufhin sie heulend zu mir kommt und ich erst mal Albaro zusammen schnauzen muss und ihm drohe, ihn aus dem Unterricht zu verbannen. Nach fünf Minuten ist meistens auch alles wieder in Ordnung und wir können endlich den Unterricht mit den dreißig verbleibenden Minuten starten.
Auf der Tagesordnung steht: das Alter lernen (Zahlen 1-12 können sie schon, und so dachte ich mir, ist es eine tolle Art noch mehr die Zahlen zu benutzen und zu üben).
Wie Frage ich nach dem Alter und wie antwortet man – das war mein Ziel für die kommende Stunde. In der Freistunde davor hatte ich extra schon vier Sätze vorbereitet: Zwei Fragen und zwei Antworten: How old are you? I’am 10 years old – How old is Dayana? Dayana is 9 years old. Die Aufgabe bestand nur noch darin, die zwei Fragen zu identifizieren und die passende Antwort zuzuordnen. Das größte Problem bestand aber auch einfach schon darin, dass sie nicht erkannten, was Frage und was Antwort ist – selbst auf Spanisch nicht. So musste ich erst einmal erklären, dass ein Fragezeichen bedeutet, dass es eine Frage ist. Irgendwann konnten sie mir dann tatsächlich sagen, dass sich an der Tafel nur zwei Fragen und zwei Antworten befinden, sei es nun geraten oder wirklich gewusst, ich ließ es an dem Tag damit erst mal gut sein! Kaum war das eine Problem gelöst, bahnte sich schon wieder das nächste an. Nun brach ein großer Streit aus, wer nun die Fragen aufkleben darf und wer es an die Wand hängt. Wild rissen sie sich gegenseitig die Blätter und den Kleber aus der Hand und fingen an sich zu prügeln, bis ich einen lauten Schrei von mir gab und ihnen einfach alles wegnahm bevor sie es noch zerreißen! Nachdem endlich wieder etwas Ruhe eingetreten war, verteilte ich noch einmal die Aufgaben und tatsächlich hingen kurz darauf die Fragen und Antworten richtig zugeordnet an der Wand^^
Nun kam ja aber erst der eigentlich schwierige Part: die Sätze verstehen und anwenden bzw. andere Klassenkameraden nach dem Alter fragen. Und schon wieder stellte sich das Problem dass sie nicht verstanden, was die Frage ist, und was die Antwort. Ein paar Mal machte ich also genau vor, was sie fragen sollten und was die andere Person dann antworten muss. Irgendwann verstand es dann zum Glück meine Streberschülerin und fragte fleißig die anderen nach dem Alter, bloß wusste niemand was er antworten sollte. Und noch einmal übten wir die vier Sätze und ich zeigte schon immer genau auf die Wörter, die sie sagen mussten und trotzdem klappt es nicht ganz, weil sie sich einfach auch nicht trauen und dann sagen sie lieber gar nichts.
Kurz vor Schulschluss hatte es dann aber doch noch irgendwie bei zwei, drei Durchgängen geklappt und so entließ ich sie endlich für den Tag, fünf Minuten zu spät um 12.40 Uhr.
Zufrieden nach einem, zumindest auf ecuadorianische Art, gelungenen Tag, packte ich meine Sieben Sachen zusammen, verabschiedete mich von den anderen Lehrern und machte mich, leicht kaputt nach einem anstrengenden Tag, auf den Heimweg.
(Normalerweise gibt es immer noch direkt nach der Schule Mittagessen für alle, aber da die Eltern gerade kein Geld mehr haben, da die Hacienda, wo die meisten arbeiten, seit drei Monaten nicht mehr gezahlt hat, konnten sie kein Essen kaufen und somit viel es für diesen Tag komplett aus.)
Welcome to Ecuador!
Ps.: Bericht über mein Leben in der Familie hier kommt noch, aber nach fünf A4 Seiten brauchen meine Finger erst einmal wieder eine kleine Pause^^